Wer hat Angst vor der Generation Y? (Teil 1 von 2)

XYZ (Generation)

Es vergeht im Moment fast kein Tag, ohne dass man nicht etwas über diese ominöse Generation Y liest. Das liegt wohl daran, dass von einer jungen Generation, die halt immer ein bisschen anders ist als die Vorgängergeneration auch immer eine gewisse Faszination ausgeht. Wir waren schließlich auch irgendwie rebellischer und aufsässiger als wir jung waren und unsere Elterngeneration hat sich auch viele Sorgen gemacht, wie das wohl mit uns enden würde. Aber es ist ja doch noch etwas aus uns geworden, oder?

Ich wage es also, den vielen Beiträgen dazu noch einen weiteren hinzuzufügen. Nun fragt man sich, ob das wirklich sein muss, aber ich denke, dass in den meisten Artikeln insbesondere ein Aspekt zu kurz kommt, der mir aber wichtig ist. Doch dazu am Ende mehr.


Büste des Sokrates
Sokrates (Quelle: Wikipedia)

Der Generationenkonflikt

Dass es übrigens schon in der Antike und wahrscheinlich auch davor Generationskonflikte gab, kann man u.a. in Zitaten nachlesen, die Sokrates zugeschrieben werden:

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Es ist allerdings höchst umstritten, ob dieses Zitat wirklich Sokrates zuzuschreiben ist, da ja von ihm keinerlei schriftlichen Aufzeichnungen erhalten sind, sondern nur in den Werken seiner Schüler, hauptsächlich Platon und Xenophon, die Gedanken Sokrates‘ überliefert wurden.

So hat z.B. Platon in seinem „Staat“ einen Dialog wiedergegeben. Dort geißelt er die Verlotterung der Sitten, die sich durch ein Zuviel an Freiheit ergebe:

„Der Lehrer fürchtet und hätschelt seine Schüler, die Schüler fahren den Lehrern über die Nase und so auch ihren Erziehern. Und überhaupt spielen die jungen Leute die Rolle der alten und wetteifern mit ihnen in Wort und Tat, während Männer mit grauen Köpfen sich in die Gesellschaft der jungen Burschen herbeilassen.“

Aber die jüngere Generation ist halt so wie sie ist. Sie ist das Produkt ihrer Zeit und damit auch der jeweiligen Elterngeneration – ob als leuchtendes Vorbild oder als Abschreckung. Jenseits des Jammerns und Schimpfens über die junge Generation bleiben für mich also ein paar Fragen:

  • Wer oder was ist die Generation Y?
  • Wie kann man die charakterisieren?
  • Was sagen aktuelle Studien?
  • Müssen die anders geführt werden?
  • Was bleibt am Ende als Erkenntnis?

Ich versuche im Folgenden, mich der Beantwortung dieser Fragen zu nähern.


Wer oder was ist die Generation Y?

Zuallererst ist die Generation Y eine Generation, wie der Name schon sagt – das war jetzt mal nicht schwer. Was eine Generation genau ist, überlasse ich den Theoretikern und deren Konzepten (wie z.B. Karl Mannheims „Problem der Generationen“) und gehe mal davon aus, dass für die weitere Betrachtung das umgangssprachliche Verständnis ausreicht Für mich als Praktiker ist die Frage wichtiger, wie sich die Generation Y in die Generationen einreiht und wie sich die Generationen abgrenzen lassen.

Dazu habe ich die folgende Grafik angefertigt:

Die Generationen (C) fw-consult Frank Widmayer

Dabei habe ich Informationen aus verschiedensten Quellen zusammengetragen und mal versucht, eine vereinfachte Darstellung der Generationen und deren (zeitliche) Abgrenzung zu finden. Die Grafik ist mit Vorsicht zu betrachten, denn natürlich gibt es neben dem Geburtsjahrgang eine Vielzahl weiterer Kriterien, die die Zugehörigkeit zu einer Generation ausmachen. Es ist z.B. klar, dass es hier im internationalen Vergleich große Unterschiede gibt, aber auch schon im selben nationalen Kulturraum selbst große Unterschiede z.B. zwischen ländlichen und eher urbanen Gegenden bestehen, dass die soziale Herkunft oder auch die Ausbildung einen Unterschied ausmachen. Eine Generation könnte man daher auch vielleicht als eine Art geteiltes Lebensgefühl oder eine gemeinsame Weltsicht bezeichnen. Generell findet man viele verschiedene Kategorisierungen und Generationsdefinitionen, die ich aber stark vereinfacht habe.


Die älteste Generation, die für meine Betrachtung des Arbeitslebens relevant ist die der Baby Boomers. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die erste Nachkriegsgeneration ist. Die früheren Jahrgänge dieser Generation haben noch große wirtschaftliche Not erlebt, die späteren Jahrgänge sind dann schon von Geburt an vom sogenannten Wirtschaftswunder geprägt. Dieser steile wirtschaftliche Aufschwung nach dem Krieg begann bereits in den späten 40er Jahren und hielt im Wesentlichen an bis zur Ölkrise 1973. Dies prägte die Baby Boomers ganz wesentlich und führte zu einem starken Anstieg der Geburtenzahlen. Technologisch und wirtschaftlich allerdings war die Zeit geprägt von der Großindustrie, die wichtigsten Innovationen der modernen Kommunikations- und Digitaltechnologie kamen erst in den 70er Jahren. Da diese Generation den Einzug der Selbstwahl-Telefone in die Haushalte erlebte, würde ich die Generation mal als Generation „Wählscheibe“ bezeichnen.


Die nachfolgende Generation wird dann Generation X genannt nach einem Roman von Douglas Coupland „Generation X: Tales for an Accelerated Culture“. Ich selbst würde mich klar dieser Generation zurechnen, obwohl ich als Jahrgang 1965 ja so grade an der Grenze liege. In die Jugend dieser Generation fallen dann viele wichtige Entwicklungen in der Digitaltechnologie und der Computer hält 1979 mit dem Atari 400 Einzug in die Wohnzimmer oder auch zuerst die Kinderzimmer. Die Generation X ist also wesentlich geprägt durch die beginnende Digitalisierung sowie die zunehmende Computer-Nutzung im Alltag. Das Internet kam dann aber erst 1990. Das erste Tastentelefon kam in Deutschland 1977 auf den Markt, deshalb habe ich dieser Generation mal den Namen Generation „Tastentelefon“ gegeben, da auch erst später mit dem D-Netz ab 1991 die Mobiltelefonie stärkere Verbreitung fand. Obwohl oft auch als Null-Bock-Generation abgestempelt, zeichnet sich die Generation heute im Berufsleben eher durch hohe Leistungs- und Karriereorientierung aus.


Im Mittelpunkt der Betrachtung soll aber die Generation Y stehen. Allgemein werden damit diejenigen bezeichnet, die ab den frühen 1980er Jahren geboren sind. Der wesentliche Einfluss für diese Generation ist die Verbreitung des Internet und der Mobiltechnologie. Von frühester Kindheit an werden digitale Medien verwendet und man ist mit ihnen vertraut. Damit verbunden ist ein Lebensgefühl, das auch ganz klar die Werte dieser Generation prägt, doch dazu gleich noch mehr. Die Anzahl der Mobiltelefone hat gerade in der Jugendzeit der Generation Y außerordentlich stark zugenommen, so dass ich diese Generation als Generation „Handy“ bezeichnen würde.


Die Generation Z mit den Geburtsjahrgängen ab 2000 ist zwar nicht ganz so klar von der Generation Y abzugrenzen, zeichnet sich aber wohl durch eine weiter fortschreitende Vernetzung und auch – insbesondere in den USA – durch eine Pluralisierung der Gesellschaft aus. Da jene Generation seit frühester Kindheit (das nimmt teilweise groteske Formen an: „Das iPhone als Babyrassel“) mit Touchscreens und Smartphones vertraut ist, würde ich ihnen den Titel Generation „Smartphone“ geben. Doch diese Generation soll hier nicht wesentlicher Gegenstand der Betrachtung sein.


Sicherlich sind immer viele Einflussfaktoren für Werteverschiebungen in einer Gesellschaft verantwortlich, aber ich sehe eine wesentliche Entwicklung, nämlich die fortschreitende Digitalisierung und „Sozialmedialisierung“. Diese Entwicklung und deren Errungenschaften beeinflussen in starkem Maße auch die Art und Weise der Kommunikation, wie vielleicht zuletzt der Buchdruck. Sie führt zu einer Überforderung, die am Ende zu einer Anpassung der sozialen Strukturen hin zu heterogenen Netzwerken führen wird. In einem höchst interessanten Interview nimmt der Sozialoge und Luhmann-Schüler Prof. Dr. Dirk Baecker von der ZU Friedrichshafen dazu Stellung. Der Treiber „Digitalisierung“ führt dann auch zu dem oft gebräuchlichen Synonym „Digital Natives“, diese dann von den „Digital Immigrants“ oder auch den „Digital Foreigners“ zu unterscheiden.

Andere Bezeichnungen, die teilweise andere Aspekte dieser insgesamt inhomogenen Generation herausheben, habe ich mal in der folgenden Tag Cloud gesammelt.

Tag Cloud Generation Y (C) fw-consult Frank Widmayer

Wie kann man die charakterisieren?

Das ist dann die schwierigste Antwort überhaupt. Lassen sich gemeinsame Kriterien und Eigenschaften finden? Generell ist die Generation Y natürlich genauso homogen und heterogen wie jede andere Generation zuvor und manchmal ähneln sich GenYer und GenXer stärker als GenYer untereinander. Dennoch gibt es vielleicht so etwas wie Cluster, die dann ein gemeinsames Lebensgefühl ausmachen.

Einen sehr schönen Eindruck von diesem Lebensgefühl und der Weltsicht dieser Generation vermittelt der Artikel des polnischen Dichter Pjotr Czerski (Jahrgang 1981), der in ZEITonline in deutscher Übersetzung erschienen ist. Er trägt den Titel „Wir, die Netz-Kinder“ und Czerski nennt darin drei für ihn wichtige Punkte:

  • „Erstens: Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen […] Wir ‚surfen‘ nicht im Internet und das Internet ist für uns kein ‚Ort‘ und kein ‚virtueller Raum‘. Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung der Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist. Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit.“
  • „Zweitens: Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag. Die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache. Aus dem Ozean der kulturellen Ereignisse fischen wir jene, die am besten zu uns passen, wir treten mit ihnen in Kontakt, wir bewerten sie und wir speichern unsere Bewertungen auf Websites, die genau zu diesem Zweck eingerichtet wurden und die uns außerdem andere Musikalben, Filme oder Spiele vorschlagen, die uns gefallen könnten.“
  • „Drittens: In uns steckt nichts mehr von jener aus Scheu geborenen Überzeugung unserer Eltern, dass Amtsdinge von überaus großer Bedeutung und die mit dem Staat zu regelnden Angelegenheiten heilig sind. Diesen Respekt […] haben wir nicht. Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. […] Und wir haben gelernt, dass Veränderung möglich ist: dass jedes in der Handhabung umständliche System ersetzt werden kann und ersetzt wird durch eines, das effizienter ist, das besser an unsere Bedürfnissen angepasst ist und uns mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.“

Am Ende wird es dann geradezu pathetisch:

„Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Information und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen.“

Das lässt vielleicht erahnen, was das Lebensgefühl der Generation ausmacht.

Es gibt viele weitere, interessante und teilweise auch polarisierende Äußerungen über die Generation Y und ich habe mal versucht, ein paar zu sammeln, die ich für wichtig halte und die auch meinen Eindruck wiederspiegeln:

  • „Gerade unter Jüngeren, die an ihren Eltern sehen, wie anstrengend Karriere sein kann, ist der klassische Weg einfach nicht mehr cool“
    Heinrich Wottawa (Prof. f. Wirtschaftspsychologie, Uni Bochum), Link
  • „Die jungen Menschen suchen durchaus die Herausforderung. Aber das Arbeiten an Sachthemen ist ihnen oft wichtiger als Personalverantwortung“
    Thomas Sigi (Audi-Personalvorstand), Link
  • „Diese Generation will Selbstwirksamkeit, und zwar sofort, ohne konzernhafte Anlaufwege und ohne Druck von oben. Wer heute führen will, der gründet.“
    Stephan Jansen (Prof. f. Strategische Organisation und Finanzen, Zeppelin Universität), Link
  • „Die Jüngeren sind nicht weniger leistungsbereit, aber die Vorstellung eines erfüllten Lebens ist mehrdimensional geworden.“
    Thomas Fritz (McKinsey-Recruiting-Chef), Link
  • „Die Unternehmen sollten mal eine Jammerpause einlegen: In den 90ern hatten wir nur geleckte Barbies und Bubis im Business-Look. Wir sollten heilfroh sein, dass die Absolventen heute selbstbewusster sind und die Welt farbiger ist. Den Firmen tut etwas frischer Wind in alten Strukturen ziemlich gut.“
    Thomas Sattelberger (Ehemaliger Personalvorstand der Telekom AG), Link

Gerade das letzte Zitat von Thomas Sattelberger finde ich spannend, denn es zeigt neben den Herausforderungen auch die Chancen, die sich durch die Werteverschiebungen in der Generation Y und deren Einfluss auf die Arbeitswelt von morgen ergeben. Auch nach meiner Einschätzung bringt die junge Generation Entwicklungen in Gang oder beschleunigt sie, die sowieso längst überfällig sind. Damit kommen vielleicht auch endlich die „Zombies des Management“ unter die Räder, also die Glaubenssätze des Managements, die längst durch neue Erkenntnisse wiederlegt sind, die aber weiterhin das Handeln in den Unternehmen bestimmen – wie eben Zombies, die schon längst tot sind oder tote Pferde, die weiter geritten werden (NEIN, KEINE ANSPIELUNG AUF LASAGNE!). Dazu zähle ich z.B. alte Weisheiten wie „Behandle alle Mitarbeiter gleich“ oder „Geld motiviert“. Schöne Anstöße zu einem neuen Denken finden sich in in dem Buch „Erfolgreiche Führung gegen alle Regeln“ von Marcus Buckingham.


Was sagen aktuelle Studien?

Auch wenn ich nicht gerade ein großer Anhänger von Statistik und Studien bin („Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“), möchte ich doch ein paar Zahlen heranziehen. Allerdings mit aller gebotenen Vorsicht, denn was einem da oft an Studien geboten wird, ist schon haarsträubend und noch haarsträubender sind dann oft die Schlagzeilen, die daraus gemacht werden. Schön fand ich zum Beispiel neulich die Schlagzeile des Online-Satire-Magazins „Der Postillon“: „Skandal! Zahl sinnloser Studien laut Studie um 120 Prozent gestiegen“.

Natürlich gibt es neben viel Mist auch durchaus seriöse und ernstzunehmende Umfragen und Studien, dazu gehört meiner Einschätzung nach auch eine Studie des mm manager-monitor, dem Umfragepanel des Führungskräfte-Instituts unter dem Dach der ULA Deutscher Führungskräfteverband, die hier zum Download verfügbar ist.

Frage: Wie beurteilen Sie bei Berufseinsteigern die folgenden Merkmale?

Die erste Grafik betrifft die Frage „Wie beurteilen Sie bei Berufseinsteigern die folgenden Merkmale?“. Dabei wurden also die Teilnehmer nach ihrer Einschätzung über die Generation Y befragt. Dabei fällt auf, dass also vor allem der Wunsch nach echter Work-Life-Balance stark ausgeprägt ist - was auch immer in diesem Zusammenhang mit dem Wörtchen „echt“ gemeint ist. Mein persönlicher Eindruck ist, dass dahinter auch ein eigenes inneres Bedürfnis steckt, das auch in der nachfolgenden Grafik zum Ausdruck kommt. Zudem wird die Bereitschaft zur Führungsverantwortung genauso wie die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten von mehr als der Hälfte als stark ausgeprägt eingeschätzt. Als vorwiegend schwach ausgeprägt eingeschätzt wird die Bereitschaft, berufliche über private Belange zu stellen.

Das deckt sich weitgehend mit meiner eigenen Einschätzung und meinen Beobachtungen im Umgang mit Berufseinsteigern und Studierenden. Obwohl dort eine sehr hohe Leistungsbereitschaft, ein großer Lernwille und auch Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung vorhanden ist, sollen die persönliche Entwicklung und das Privatleben nicht zu kurz kommen.

Frage: Wie hat sich Ihre Haltung zu Beruf und Karriere in den letzten fünf Jahren verändert?

Die Grafik („Wie hat sich Ihre Haltung zu Beruf und Karriere in den letzten fünf Jahren verändert?“) finde ich nun besonders spannend. Hier zeigt sich nämlich, dass nicht nur der Generation Y eine stärkere Betonung des Aspekts Work-Life-Balance attestiert wird, sondern dass dieser Aspekt auch eine deutliche Veränderung in der eigenen Wertehaltung erfahren hat. Zwei Drittel der Führungskräfte äußern einen größeren Willen, sich mehr Zeit für Familie und Privatleben zu nehmen und fast zwei Drittel sagen, dass die Bereitschaft abgenommen hat, Familie und Privatleben dem Beruf unterzuordnen. Deshalb bin ich der Auffassung, dass wir hier eine Veränderung im Management brauchen und das nicht nur wegen der Generation Y.

Sehr auffällig ist in der obigen Grafik noch, dass fast 60% der Befragten angaben, dass ihr Wunsch nach einem hierarchischen Aufstieg eher abgenommen hat. Da ist doch etwas faul im Staate Dänemark! Wie kann es denn sein, dass 96% sagen, es würde Spaß machen, in Führungspositionen etwas zu bewegen (s. nachfolgende Grafik) und gleichzeitig so viele keine Lust mehr auf die klassische Karriere haben. Ganz offensichtlich ist der Druck, unter dem Führungskräfte stehen (93% sagen, der Druck wäre größer geworden), inzwischen zu groß und der Spaß an Führung wird einem vermiest. Dies ist umso bedenklicher, weil auch gerade der Stressreport 2012 einen klaren Zusammenhang aufzeigt zwischen dem Führungsverhalten und dem Stress unter den Mitarbeitern:

„Der Kenntnisstand darüber, was gesundheitsförderliche Führung ausmacht, ist bereits gut – im Mittelpunkt steht dabei ein unterstützender, wertschätzender und partizipationsorientierter Umgang mit den Mitarbeitern sowie eine förderliche Gestaltung der Arbeitsbedingungen (...). Bei der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnisse besteht aber noch deutliches Verbesserungspotenzial."
(Stressreport 2012, S. 127)

Hier muss dringend angesetzt werden. Führung darf und muss wieder Spaß machen!

Frage: Wie bewerten Sie die folgenden Aussagen bezüglich Führung?

Eine kleine eigene Umfrage...

Kürzlich war ich in Berlin zu einem Vortrag mit dem Titel "Führung der Generation Y". Die Teilnehmer waren Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter aus verschiedenen Ministerien, sowohl aus dem Bund als auch aus den Ländern. Meiner Einschätzung nach war die Generation Y im Prinzip nicht vertreten und der Rest war gleichverteilt zwischen Generation X und Baby Boomers. Ich habe in dem Vortrag dann auch gefragt, wie die Meinung über Generation Y ist.

 

Meine Frage lautete:

„Was glauben Sie, ist die Generation Y (Jahrgänge 1982-2000) wirklich völlig anders als die Vorgängergenerationen?

 

Dazu habe ich drei Alternativen zur Auswahl gestellt:

  • Ja, weil jede Generation durch die spezifischen Umstände ganz anders geprägt wird und weil ein technologisch getriebener Umbruch in der Kommunikationstechnologie wie der durch das Internet beispiellos ist.
  • Nein, weil die Unterschiede der Generationen sich mit höherem Lebensalter verlieren und die Bedürfnisse von Menschen sich nicht in einer Generation so stark verändern.
  • Das ist irrelevant, denn die Veränderungen der Werte und die dadurch getriebene Veränderung der Arbeitswelt ist kein Phänomen der Generation Y.

Das Ergebnis war ziemlich gleich verteilt, also jeweils ein Drittel war für eine der drei Alternativen.

Jetzt wolte ich wissen, was andere Gruppen dazu sagen. Dazu habe ich in den letzten Tagen die gleiche Umfrage in meinem XING-Netzwerk gestartet, an der 63 XINGer teilgenommen haben.
Das ist das Ergebnis:

Das finde ich schon etwas erstaunlich: Nur ca. 15% glauben nicht, dass die Generation Y vollig anders ist als die Vorgängergenerationen. Und ca. 60% sagen sogar, dass ein erheblicher Unterschied da ist, der auf den Umbruch in der Kommunikationstechnologie zurück zu führen ist. Ich hätte ja gedacht, dass die dritte Antwort eine größere Zustimmung knapp 30% findet, weil ich persönlich glaube, dass die Veränderung der Werte alle Generationen umfasst und nicht nur die Generation Y.


Forsetzung folgt: Empfehlungen zur Führung der Generation Y

Da der Beitrag sonst viel zu lang geworden wäre (ist er ja jetzt eigentlich auch schon), habe ich ihn auf zwei Häppchen verteilt. In Kürze werde ich dann ein paar Schlüsse aus den Daten und Studien ziehen und auch zehn Empfehlungen für die Führung der Generation Y geben. Seien Sie gespannt...

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Kommentare: 3
  • #1

    Torsten Scheller (Dienstag, 11 März 2014 15:52)

    Interessanter Artikel, vielen Dank. Als Ergänzung der Hinweis auf einen Artikel in der ZEIT vom 27. Feb 2014 http://www.zeit.de/2014/10/generation-y-glueck-geld/komplettansicht

  • #2

    Frank Widmayer (Dienstag, 11 März 2014 17:51)

    Herr Scheller, danke für den Hinweis auf den Artikel. Der spricht mir sehr aus dem Herzen und deckt sich mit meinen Erfahrungen im Umgang mit der Generation Y (zumindest des Teils davon, mit dem ich in intensivem Kontakt bin als Dozent an einer privaten Hochschule).

  • #3

    Torsten Scheller (Mittwoch, 12 März 2014)

    Hatte - ausgelöst durch den ZEIT-Artikel - einen Beitrag in der Pipeline meines Blogs, der endlich fertig ist: http://www.agil-werden.de/generation-y-wir-sind-jung/ Bin schon auf den zweiten Teil Ihres Beitrags gespannt.

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